Pressemitteilung 25. August 2026

Natürlich knackig: Die deutsche Apfelsaison beginnt

Frische Äpfel aus einem Anbau, der Artenvielfalt, Erfahrung und Innovation miteinander verbindet.

Berlin, 24. August 2026. Frisch, aromatisch und von hier: Mit den ersten Frühäpfeln, wie Roter Gravensteiner, Delbarestivale und SweeTango® ist der Startschuss für die neue Apfelsaison gefallen. Schon bald folgen dann Sorten wie der All-time-Favorite Elstar, Gala, Jonagold, Braeburn, Pinova, Kanzi, Wellant, Evelina, Rockit und Fräulein. Für die Verbraucherinnen und Verbraucher beginnt im Handel jetzt wieder die Zeit erster erntefrischer Äpfel aus heimischem Anbau, für die heimischen Obstbaubetriebe markiert der Saisonstart zugleich den Höhepunkt eines arbeitsintensiven Jahres.

Denn hinter jeder Frucht steckt heute weit mehr als die Pflege von Apfelbäumen. Moderne Obstbaubetriebe verbinden heute ihre jahrzehntelange Erfahrung mit neuen Technologien, fördern die biologische Vielfalt und setzen Wasser, Nährstoffe und Pflanzenschutzmaßnahmen bedarfsgerecht ein. Sie zeigen damit auch, wie konkret nachhaltiger Anbau in Deutschland bereits umgesetzt wird.

„Nachhaltiger Obstbau heißt, an vielen Stellschrauben gleichzeitig anzusetzen“, erklärt Nico Wesseling, stellvertretender Vertriebsleiter Obst bei Landgard West Obst & Gemüse. „Ein verantwortungsvolles Bodenmanagement gehört für die Betriebe ebenso dazu wie der Einsatz von Nützlingen, die dabei helfen, Schädlinge auf natürliche Weise zu bekämpfen und die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren. Auch präzise Bewässerungslösungen sind im Apfelanbau bereits fest etabliert. Die moderne Tröpfchenbewässerung versorgt die Wurzeln gezielt mit der richtigen Wassermenge und hilft dabei, Wasser zu sparen. Mit diesen und vielen weiteren Maßnahmen setzen sich die deutschen Obstbaubetriebe kontinuierlich dafür ein, hochwertige Ernten und einen verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen miteinander zu verbinden. Auch die regionale Vermarktung ist dabei ein wichtiger Baustein. Denn auch kurze Transportwege und saisonale Produkte tragen dazu bei, wertvolle Ressourcen zu schonen. Umso mehr freuen wir uns, die Verbraucher*innen in Nordrhein-Westfalen mit dem Start der Erntesaison mit leckeren Äpfeln direkt aus der Region versorgen zu können und damit regionale Wertschöpfung und nachhaltigen Konsum miteinander zu verbinden.“

„Nachhaltigkeit im Obstbau besteht nicht aus einer einzelnen Maßnahme. Sie entsteht durch viele aufeinander abgestimmte Entscheidungen – vom Bodenmanagement über die Förderung von Nützlingen bis zur präzisen Bewässerung“, erklärt Jens Anderson, Marketingleiter von Elbe Obst. „Die deutschen Obstbaubetriebe arbeiten kontinuierlich daran, hochwertige Ernten und einen verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen miteinander zu verbinden.“

Janina Bembenek, Marketingleitung von Obst vom Bodensee betont: „Der Apfel ist per se ein nachhaltiges Produkt, weil im Obstbau in Generationen gedacht und gewirtschaftet wird. Unsere Erzeugerfamilien bewirtschaften ihre Flächen über Jahrzehnte und erhalten damit eine über Generationen gewachsene Kulturlandschaft. Gleichzeitig produzieren sie gesundes Obst aus der Region mit klarer Herkunft und hohen deutschen Standards. Der Apfel ist eine gesunde Vitamin-C-Quelle und dank moderner Lagerung zwölf Monate im Jahr aus heimischem Anbau verfügbar. Damit verbinden sich für uns gesunde Ernährung, regionale Versorgung und der langfristige Erhalt des heimischen Obstanbaus.“

Apfelland Deutschland: 32.700 Hektar voller Geschmack

Im Jahr 2025 wurden in Deutschland auf rund 32.700 Hektar knapp 1,14 Millionen Tonnen Äpfel geerntet. Damit entfielen fast 89 Prozent der gesamten deutschen Baumobsternte auf die beliebte Frucht. Und die Nachfrage ist entsprechend groß: Im vergangenen Jahr wurden hierzulande ganze 13,3 Kilogramm Tafeläpfel pro Kopf verspeist. Einschließlich verarbeiteter Apfelprodukte lag der Pro-Kopf-Verbrauch sogar bei 21,2 Kilogramm.

(*Quelle: Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI), Destatis & GfK Haushaltspanel)

Bedeutende Apfelanbaugebiete gibt es sowohl im Süden und Norden wie auch im Osten und Westen Deutschlands. Besonders prägend sind jedoch Baden-Württemberg mit der Bodenseeregion sowie Niedersachsen und Hamburg mit dem Alten Land: Gemeinsam vereinten sie 2025 rund 65,5 Prozent der Anbaufläche und 72,6 Prozent der Erntemenge auf sich. Entsprechend wichtig sind stabile Produktionsbedingungen in den Regionen für die Versorgung mit heimischen Äpfeln.

 

Nachhaltigkeit beginnt bei Boden und Wasser

Gesunde Böden sind die Grundlage für gesunde Bäume. Begrünte Fahrgassen, schonende Bodenbearbeitung und der Aufbau organischer Substanz helfen, Erosion zu mindern und Wasser sowie Nährstoffe im Boden zu halten. Auch die Nährstoffversorgung wird möglichst am tatsächlichen Bedarf der Bäume ausgerichtet.

Ein Beispiel dafür ist ein Projekt das Landgard gemeinsam mit einem Handelspartner im Rheinland durchgeführt hat: Erzeugerbetriebe haben dort den Einsatz von Mykorrhiza-Pilzen im Kernobstanbau untersucht. Die als Biostimulanzien wirkenden Pilze gehen eine symbiotische Beziehung mit den Pflanzenwurzeln ein. Durch die Ausbildung eines weitreichenden Pilzgeflechts vergrößern sie die effektive Aufnahmefläche des Wurzelsystems und können so die Versorgung mit Wasser und Nährstoffen verbessern. Darüber hinaus können Mykorrhiza-Pilze zur Bindung bestimmter Schwermetalle beitragen und dadurch die Pflanzengesundheit unterstützen. Gleichzeitig fördern sie die Bodenstruktur und können so zu einem nachhaltigeren und ressourcenschonenderen Anbau beitragen.

Ebenso wichtig ist ein bedarfsgerechter Umgang mit Wasser. Präzise Bewässerung hilft, den Wassereinsatz gezielt an Witterung, Standort und Entwicklungsstadium der Bäume anzupassen und trockene Phasen effizient zu überbrücken.

Biodiversität in den deutschen Anbaugebieten

Wer heute durch deutsche Obstanlagen fährt, sieht nicht nur Apfelbäume. Begrünte und beikrautreiche Fahrgassen, Blühstreifen, Hecken, Nistmöglichkeiten und andere Rückzugsräume gehören vielerorts zur Bewirtschaftung. Da Obstbäume als Dauerkultur viele Jahre am selben Standort stehen, können sich solche Elemente langfristig zu wertvollen Lebensräumen entwickeln. Sie bieten Bestäubern wie Wildbienen und Schmetterlingen Nahrung und fördern zugleich natürliche Gegenspieler von Schädlingen.

Blühflächen entfalten ihren Nutzen besonders dann, wenn Saatmischung, Standort und Pflege aufeinander abgestimmt sind und ergänzend geeignete Nist- und Rückzugsstrukturen zur Verfügung stehen – etwa offene Bodenstellen, Hecken oder Totholz.

Wie solche Maßnahmen langfristig wirken, zeigen Beispiele aus den großen deutschen Anbauregionen. In der Pfalz zeigt das Projekt „Pfalzmarkt schafft Artenvielfalt“, wie Biodiversitätsmaßnahmen gezielt an den jeweiligen Standort angepasst werden können. Auf inzwischen elf Projektflächen werden gemeinsam mit Ökologen passende Blühmischungen ausgewählt, die Flächen kartiert und die Pflege an die Entwicklung von Vegetation und Tierwelt angepasst. So entstehen dauerhaft Nahrungs-, Rückzugs- und Lebensräume, die sich in die bewirtschafteten Flächen integrieren.

Am Bodensee läuft seit 2010 ein gemeinsames Biodiversitätsprojekt. 2025 beteiligten sich 91 Betriebe mit mehr als 900 Hektar Obstbaufläche. Sie legten über 430.000 Quadratmeter Blühflächen an, installierten mehr als 500 Nisthilfen für Vögel und Wildbienen und pflanzten 1.410 Wildsträucher und Hecken. Das Monitoring weist inzwischen 112 Wildbienenarten in Apfelanlagen nach – gegenüber 56 beim ersten Monitoring 2010. Darunter befinden sich viele Arten der Roten Liste.

Im Alten Land knüpft die Förderung der Artenvielfalt auch an gewachsene Hof- und Wasserstrukturen an. Wirtschaftsgebäude des Hofes und Nebengebäude wie Scheunen und Unterstände bieten den geschützten Fledermäusen Quartiere, die teilweise durch Fledermauskästen ergänzt werden. Bussarde, Milane und Turmfalken nutzen Sitz- und Beregnungsstangen als Ansitz bei der Jagd auf Wühlmäuse. Gräben und Beregnungsteiche dienen zugleich als Lebensraum für zahlreiche Gewässerarten, darunter auch gefährdete Libellenarten.

Erst vorbeugen, dann beobachten, dann handeln

Beim Schutz der Apfelbäume gilt das Prinzip der Präzision. Der integrierte Pflanzenschutz ist eine Kombination verschiedener Verfahren, bei denen biologische, biotechnische, pflanzenzüchterische sowie anbau- und kulturtechnische Maßnahmen vorrangig eingesetzt werden. Dabei wird die Anwendung chemischer Pflanzenschutzmittel auf das notwendige Maß beschränkt, um Pflanzen wirksam zu schützen und gleichzeitig Umwelt und natürliche Ressourcen zu schonen.

Wetterdaten sowie Informationen über Krankheiten und Schädlinge helfen dabei, den richtigen Zeitpunkt für notwenige Eingriffe zu bestimmen und unnötige Anwendungen zu vermeiden. Moderner Obstbau folgt damit dem Grundsatz: so viel wie nötig und so wenig wie möglich.

Standortvorteile nutzen, Standortnachteile ausgleichen

Spätfröste, Trocken- und Hitzeperioden, Starkregen oder Hagel stellen die Anbauregionen vor ganz unterschiedliche Herausforderungen. Digitale Wetterstationen, Sensoren und Prognosemodelle helfen dabei, Bewässerung, Nährstoffversorgung und Pflanzenschutz präziser zu steuern. Nachhaltiger Obstbau bedeutet deshalb auch, die natürlichen Vorteile eines Standorts zu nutzen und regionale Risiken mit angepassten Maßnahmen auszugleichen.

Das Alte Land an der Niederelbe profitiert beispielsweise von fruchtbaren, wasserspeichernden Marschböden auf einem über Jahrhunderte gewachsenen Netz aus Gräben, Sielen und Schöpfwerken. Dieses System reguliert den Wasserhaushalt der Flächen und stellt Wasser für die Bewässerung und Frostschutzberegnung bereit. Tröpfchenbewässerung und digitale Bodenfeuchtemessung ergänzen das traditionelle Wassermanagement. Die Wassernähe bringt jedoch auch Herausforderungen mit sich: Das feuchtere Klima kann nässeabhängige Pilzkrankheiten begünstigen, während das dichte Gewässernetz eine besonders sorgfältige Pflege der Gewässer erfordert.

Am Bodensee wiederum schafft das günstige Klima ideale Voraussetzungen für den Tafelobstanbau. In den vergangenen Jahren war die Region jedoch wiederholt mit Spätfrösten, Hagel, Starkregen sowie zunehmend auch mit Hitze und Sonnenbrand in den Apfelkulturen konfrontiert – Wetterextreme, die erhebliche Schäden verursachen können. Hagelschutznetze, Frostschutzmaßnahmen, effiziente Bewässerung und eine an den Standort angepasste Sortenwahl gehören hier deshalb zu wichtigen Bausteinen der Risikovorsorge.

In wärmeren und niederschlagsärmeren Regionen im Südwesten, etwa in Rheinhessen und der Pfalz, begünstigen viele Sonnenstunden und höhere Temperaturen die Fruchtreife, während längere Trockenphasen einen besonders effizienten Umgang mit Wasser erfordern. In den stärker kontinental geprägten Anbaugebieten im Osten zählen Trockenstress und Spätfrost zu den zentralen Herausforderungen. Nachhaltiger Obstbau bedeutet deshalb, mit den natürlichen Voraussetzungen einer Region zu arbeiten – statt überall dieselben Lösungen einzusetzen.

Smarte Technik im Obstbau

Wie weit Präzisionslandwirtschaft künftig gehen kann, zeigt das Forschungsprojekt SAMSON an der Niederelbe. Eine am Traktor montierte Sensorbox erfasst bei regulären Fahrten durch die Plantage Bild- und Sensordaten einzelner Bäume. KI-Modelle sollen daraus unter anderem Blühstärke und Fruchtzahl bestimmen sowie Krankheits- und Schadbilder erkennen. Ziel sind präzisere Ernteprognosen und baumgenaue Entscheidungshilfen, mit denen Maßnahmen noch gezielter eingesetzt werden können. Das Projekt läuft bis Ende 2027 und wird gemeinsam mit Obstbaubetrieben aus dem Alten Land erprobt.

Neben digitaler Technik spielen auch bewährte Schutzsysteme eine wichtige Rolle. Vor allem in der Bodenseeregion setzen 99% aller Betriebe Schutznetze ein, die Schäden durch Hagel, Starkregen und intensive Sonneneinstrahlung mindern können. Gleichzeitig werden komplett neue, zukunftsorientierte Ansätze erprobt: Bei der Agri-Photovoltaik beispielsweise erzeugen Solarmodule über den Baumreihen Strom und können – je nach System – zusätzlich Schutz vor Hagel, Spätfrost und zu starker Sonne bieten. Dass die Bodenseeregion bei dieser Entwicklung eine besondere Rolle spielt, zeigt auch die dort gelegene größte Agri-PV-Anlage ihrer Art in Europa.

Doch Technik – von Schutznetzen über Frostberegnung, Sensorik bis zu KI – ersetzt die Erfahrung der Obstbäuerinnen und -bauern nicht. Aber sie ergänzt sie. Gerade die Verbindung aus Standortwissen, moderner Datennutzung und regional angepassten Maßnahmen hilft dabei, Ernten zu schützen, Arbeitsprozesse zu entlasten und Ressourcen gezielter einzusetzen.

Auch die gute Lagerfähigkeit vieler Apfelsorten trägt zur Ressourcenschonung bei. In CA-Lagern („Controlled Atmosphere“) verlangsamen niedrige Temperaturen und eine angepasste Luftzusammensetzung den Reifeprozess. So bleiben geeignete Sorten über Monate frisch und Lebensmittelverluste können reduziert werden.

Sortenwahl: Alt ist nicht automatisch besser

Alte Apfelsorten genießen große Aufmerksamkeit und sind wertvoll für die genetische Vielfalt und das kulturelle Erbe. Manche der traditionellen Sorten sind robust und gut an bestimmte Standorte angepasst, andere dagegen anfälliger für Krankheiten, weniger ertragssicher, schlechter lagerfähig und entsprechen geschmacklich nicht immer den heutigen Vorlieben. Entscheidend ist daher nicht das Alter einer Sorte, sondern ihr Geschmack, ihre Qualität, wie gut sie zu Standort und Klima passt und welche Anforderungen sie an Baumgesundheit, Pflege und Lagerung stellt. Moderne Züchtung setzt genau hier an: Sie verbindet bewährte Eigenschaften mit geschmacklicher Qualität und zum Teil hoher Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten und Wetterextremen.

Regionalität heißt mehr als kurze Wege

Der Selbstversorgungsgrad bei Tafeläpfeln lag 2025 bei rund 57 Prozent. Rein rechnerisch konnte der heimische Anbau damit etwas mehr als die Hälfte des deutschen Bedarfs decken.

Deutsche Anbauregionen leisten somit einen wichtigen Beitrag zur Versorgung. Und mehr noch: Heimische Äpfel stehen für transparente Herkunft, hohe Produktionsstandards und vergleichsweise kurze Lieferketten. Regionalität bedeutet im Obstbau aber auch langfristige Verantwortung: Apfelanlagen werden über viele Jahre bewirtschaftet, zahlreiche Familienbetriebe bestehen bereits seit Generationen. Bodenfruchtbarkeit, Wasserhaushalt, Kulturlandschaft und betriebliche Infrastruktur zu erhalten, ist deshalb eine wichtige Grundlage für ihre Zukunft.

Zugleich schafft regionaler Obstbau Wertschöpfung und Arbeitsplätze vor Ort – in den Familienbetrieben ebenso wie in Sortierung, Lagerung, Vermarktung, Logistik, Beratung und Dienstleistung. Hohe Sozial- und Beschäftigungsstandards gehören zur heimischen Produktion. Für den arbeitsintensiven Obstbau sind diese vor allem aber auch ein relevanter Kostenfaktor im internationalen Wettbewerb.

Mit Beginn der Saison kommen heimische Äpfel frisch vom Baum in die Regale – als Ergebnis eines Jahres Arbeit und eines Anbaus, der Artenvielfalt, Innovation und Ressourcenschutz verbindet. Wer beim Einkauf auf die Herkunft achtet, stärkt zugleich regionale Wertschöpfung und heimische Anbaustrukturen.

Rezept-Tipp: Invisible Apfelkuchen mit Matcha-Frosting

Saftig, fein geschichtet und überraschend aromatisch: Dieser Invisible Apfelkuchen trifft auf cremiges Matcha-Frosting und verbindet fruchtige Frische mit einer angenehm herben Grüntee-Note.

Mittel / Zubereitungszeit: 45 Min. / Backzeit: 60–65 Min.

Zubereitung:

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